Nephrologisches Zentrum Moers

Gemeinschaftspraxis für Nieren- und Hochdruckkrankheiten

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Nierentransplantation

Bei zahlreichen Patienten erfüllt letzten Endes jede Form der Dialyse eine Brückenfunktion bis zur Durchführung einer Nierentransplantation. Eine „neue" Niere bedeutet für den Dialysepatienten, wieder unabhängig von medizinischem Gerät leben zu können und auch weniger auf die Ernährung und die Flüssigkeitsaufnahme achten zu müssen. Man unterscheidet generell zwischen Nierenspenden von Verstorbenen oder noch lebenden Menschen, z.B. Verwandten oder Ehepartnern.

Nach ausführlichen, vorbereitenden Untersuchungen (besonderes Augenmerk gilt hier Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems) werden geeignete Patienten auf die Warteliste bei Eurotransplant im holländischen Leiden aufgenommen.

Unsere Praxis kooperiert im Bereiche der Transplantation bevorzugt mit den nah gelegenen Transplantationszentren der Universitätskliniken in Düsseldorf (Prof. Dr. Rump – Prof. Dr. Schelzig/Prof. Dr. Grabitz), Essen (Prof. Dr. Kribben – Prof. Dr. Paul) und Bochum (Prof. Dr. Viebahn).

Bei Vorliegen eines „passenden" Spenderorganes werden vom Transplantationszentrum sowohl der behandelnde Nephrologe vor Ort als auch der Patient unverzüglich informiert, um möglichst rasch die Transplantation durchführen zu können.

Dem Körper des Organspenders entnommene Organe sind trotz spezieller Konservierungstechniken nur begrenzt haltbar. So sind u.a. die Funktionsraten von Spenderorganen umso höher, je kürzer die Zeit zwischen Explantation und Transplantation gehalten werden kann.

Für den Patienten auf der Warteliste bedeutet dies, daß er Tag und Nacht erreichbar sein muß, da er sich gegebenfalls in sehr kurzer Zeit in der Transplantationsklinik einfinden muß.

Im Rahmen der Transplantation wird die Spenderniere vom Chirurgen in die rechte oder linke Beckenregion des Patienten eingesetzt. Die Blutgefäße des Spenderorgans (Arterien und Venen) werden mit den Beckengefäßen verbunden und der Harnleiter in die Harnblase eingepflanzt.

Im günstigsten Fall nimmt das neue Organ noch auf dem Operationstisch seine Funktion auf und produziert den ersten Urin.

In nahezu der Hälfte aller Fälle ist es aber weiterhin so, daß die Funktion erst verzögert aufgenommen wird und in den ersten postoperativen Tagen weiterhin noch eine Dialyse erforderlich ist. Die neue Niere wird außerhalb der Bauchfellhöhle implantiert. Daher können Patienten, die sich zuvor mittels Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) behandelt haben, in dieser Zeit auch weiterhin diese Dialysemethode durchführen.

Auch nach einer Transplantation müssen die Patienten regelmäßig medizinisch betreut werden. Um die Abstoßung des Spenderorgans zu verhindern, müssen bestimmte Medikamente, die die Immunantwort des Organempfängers reduzieren (sogenannte Immunsuppressiva), ganz gewissenhaft eingenommen werden.

 

Lebendspende

Lediglich bei eineiigen Zwillingen, die sich ja nicht nur äußerlich sehr ähnlich sehen, sondern auch die gleichen Erbanlagen besitzen, ist natürlich keine Immunsuppression erforderlich. Blutgruppe und Gewebemerkmale sind identisch.

So wurde im Jahre 1954 durch Joseph E. Murray am Peter Bent Brigham Hospital in Boston die erste erfolgreiche Nierentransplantation bei eineiigen Zwillingen durchgeführt. Der Patient überlebte viele Jahre ohne Dialysebehandlung und – in diesem speziellen Fall – ohne jegliche Immunsuppression. Murray wurde 1990 für seine Pionierarbeit der Nobelpreis zugesprochen.

Bereits seit vielen Jahren werden Organtransplantationen zwischen blutsverwandten Spendern (z.B. Eltern/Kinder, Geschwister) durchgeführt. Aufgrund der teilweise übereinstimmenden Gewebemerkmale sind die Langzeitfunktionsraten hierbei sehr gut.

Nicht zuletzt aufgrund des Mangels an Spenderorganen werden in den letzten Jahren auch zunehmend emotional motivierte Transplantationen zwischen Lebenspartnern (z.B. Ehefrau/Ehemann) durchgeführt. Ideale Voraussetzung hierfür ist die Blutgruppen- sowie ein Mindestmaß an Gewebeverträglichkeit.

Bei beiden Formen der Lebendspende, sowohl der Verwandtenspende als auch der emotional motivierten Spende, werden die Organspender natürlich ausführlich voruntersucht, um potentielle Risiken für einen ja ansonsten Gesunden auszuschliessen.

 

Simultane Nieren-Pankreas-Transplantation

Bei Typ-1-Diabetikern mit chronischem Nierenversagen kommt auch eine kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation in Betracht. Hierbei wird die Nierentransplantation in der oben beschriebenen Weise durchgeführt.

Die vom selben Spender stammende Bauchspeicheldrüse (Pankreas, mit den insulinproduzierenden Zellen) wird meist in Form der Blasendrainagetechnik transplantiert: Der vom Spenderpankreas produzierte Pankreassaft wird über ein mittransplantiertes Dünndarmsegment, welches mit der Harnblase des Empfängers verbunden ist, zusammen mit dem Urin ausgeschieden. Das für die Regulation des Zuckerstoffwechsels wichtige Insulin aber wird in das Blut des Patienten abgegeben.

Bei gut funktionierendem Pankreastransplantat ist der Patient vom Diabetes geheilt und das weitere Fortschreiten diabetischer Spätschäden wird verhindert.

Die kombinierte Transplantation von Niere und Pankreas ist natürlich technisch deutlich aufwendiger und in den ersten Monaten mit einer höheren lokalen Komplikationsrate (Wundheilungsstörungen, Fisteln, Blutungen, Infektionen) verbunden. Trotz intensivierter immunsuppressiver Therapie erreichen die Funktionsraten noch nicht ganz die Funktionsraten bei Einzeltransplantation einer Niere.